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aues über de Mischu

  • Jahrgang 1992, wuchs ich im Tal des Nebels in der Region Aargau/Solothurn auf. Bereits als kleiner Junge blieb mein Blick wie gebannt an Motorrädern hängen, die an mir vorbeirauschten. Diese kurzen, lauten Momente lösten eine Faszination aus, für die es damals noch keine Berührungspunkte im eigenen Alltag gab, nur eine wachsende Begeisterung, die in meiner Fantasie weiterlebte.

  • Zwischen meinem zehnten und fünfzehnten Lebensjahr legte ich unzählige Kilometer mit dem Fahrrad zurück. Auf den langen Strecken stellte ich mir immer wieder vor, wie es sich wohl anfühlen würde, nicht in die Pedale zu treten, sondern am Gasgriff zu drehen. Doch meine Eltern, insbesondere meine Mutter, standen dem Thema Motorrad von Anfang an kritisch gegenüber. Der tödliche Motorradunfall ihres Bruders im Alter von nur 18 Jahren hatte tiefe Spuren hinterlassen. So war für sie klar: Weder Mofa noch Motorrad sollten für mich infrage kommen.

  • Die erste echte Fahrerfahrung kam dennoch, heimlich und improvisiert. Hinter der Lehrwerkstatt durfte ich im Industriequartier die Enduro eines Mitlernenden fahren, später auch eine «Sportmaschine», beide mit 50 ccm. Ironischerweise beerdigten diese wenigen Minuten auf der kleinen Sportmaschine meine langjährige Schwärmerei für Supersport-Motorräder. Sitzposition, Fahrgefühl und Fahrdynamik überzeugten mich auf der Enduro deutlich mehr. Von da an wurden 50 ccm-Maschinen, wie zuvor die Mofas, zwar nie legal, dafür aber ausgiebig bewegt.

  • Zu dieser Zeit war meine offizielle Adresse nur noch auf dem Papier bei meinen Eltern. Die meiste Zeit verbrachte ich mit meinem besten Freund Benj bei dessen Onkel. Dieser besass zahlreiche Fahrzeuge aller Art, eine grosse Werkstatt und ein noch grösseres, fundiertes Fachwissen. In dieser Umgebung wurde nicht nur geschraubt, sondern gelernt, ausprobiert und gefachsimpelt. Ein idealer Nährboden für meine wachsende Leidenschaft.
  • Kurz vor meinem 17. Geburtstag kaufte ich mir für wenig Geld mein erstes eigenes Motorrad: eine MZ 125 Saxon RoadStar. Aufgrund von Standschäden musste sie zunächst aufbereitet und instandgesetzt werden. Auch dieses Motorrad wurde lange Zeit nur «Probe gefahren» natürlich nicht ganz legal. In einem kleinen Dorf mag das einfacher sein, doch unbemerkt bleibt man nie. Deshalb war klar: Der Lernfahrausweis musste her. Nach der Autoprüfung im Jahr 2012 war das «L» für die nächste Zeit endlich Geschichte.
  • Nach der Rekrutenschule und mit grösserem Lohn folgte bald das nächste Kapitel: Meine erste Yamaha XT660X. Während bei vielen Kollegen das Interesse am Motorradfahren langsam abebbte, begann ich die Schweiz auf immer grösseren Tagestouren zu erkunden. Ein Handy am Lenker kam für mich nie infrage. Orientierung erfolgte aus dem Kopf oder spontan. Oft bog ich irgendwo zwischen zwei Dörfern auf kleine Bauernpfade ab, einfach um zu sehen, wohin der Weg führen würde. Nicht selten stellte ich erst am späten Nachmittag fest, dass ich mich langsam auf den Heimweg machen sollte, selbstverständlich nicht über die Autobahn oder die schnellste Route, sondern über ähnlich verschlungene Wege.
  • Die grossen Alpenpässe verlor ich dabei nie aus den Augen. Mit meinem damals treusten Töff-Kumpel Dom auf seiner Suzuki GSX-R ging es regelmässig in höhere Lagen, in denen er sich auf meinen Orientierungssinn verlassen konnte. Doch es waren vor allem die kleinen, spontanen Pfade zwischen den Dörfern und die bescheideneren Pässe, die mein Herz eroberten. Noch immer navigierte ich überwiegend aus dem Kopf, ergänzt durch eine grobe Planung mit Google Maps. Nach und nach verschwanden die grauen Flecken von der Schweizer Landkarte.

  • Um keine Routine aufkommen zu lassen, begann ich, Tagestouren für immer grössere Gruppen aus dem Kollegenkreis zu organisieren. Regionen, Tourenlängen und gewünschte Rückkehrzeiten wurden gemeinsam definiert. Als Paddle mit dem Motorradfahren anfing, erwachte in mir zudem der Fahrlehrer. Mit Geduld und Begeisterung begleitete ich sie bis zur Prüfung und entdeckte darin eine neue, erfüllende Facette meiner Leidenschaft.
  • Parallel dazu legte ich mir eine zweite, neuere Yamaha XT660X zu. Zwar nicht mehr frisch ab Werk; die Modellreihe wurde zu diesem Zeitpunkt seit zwei Jahren nicht mehr produziert, doch mit gerade einmal 2680 Kilometern auf dem Zähler war sie nahezu neuwertig. In der Bevölkerung eher unterschätzt, wurde sie für mich gerade deshalb zu meiner grossen Liebe.
  • Als der innere Fahrlehrer langsam zur Ruhe kam, wuchs eine neue Idee: Warum nicht die vielen Tagestouren während der Ferien miteinander verbinden? Warum nicht mit einem neuen Ansatz noch mehr von der Schweiz entdecken? Der erste Schritt in Richtung Reisefieber war getan.

    Mit jeder längeren Motorradreise loderte diese Flamme stärker. Aus einzelnen Touren wurden ausgedehnte Reisen, und bald gab es kein Halten mehr. Ende der Saison 2022 konnte ich schliesslich die sagenumwobene Yamaha Ténéré 700 Rally Edition, diesmal frisch ab Werk, mein Eigen nennen.

    Was einst als kindliche Faszination für vorbeirauschende Motorräder begann, war längst zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden und zu einer Leidenschaft, die mich bis heute antreibt.