Spanien 1.0
Wir waren nun fast zwei Monate in Spanien unterwegs und durften einiges erleben. Wir waren mittags um 12.30 Uhr in einer Polizeikontrolle, um einen Alkoholtest zu machen, durften einige sympathische Menschen kennenlernen, sind auf dem Jakobsweg «gewandert», montierten die Wanderschuhe und haben Tomatenkonfitüre probiert. Ausserdem stand bei Paddle wiedermal ein Pneuwechsel an, und gut eine Woche später hat sie am Samstagnachmittag einen Nagel eingefahren, und Mischu hat den Pneu / Schlauch in einem Parkhaus repariert.
Mittlerweile haben wir uns etwas eingelebt auf unserer Reise und haben nicht täglich das Gefühl, als wären wir nur in den Ferien und müssten jeden Moment wieder Richtung Heimat fahren. Die Abläufe werden routinierter, und das Motorrad wird mit jedem Kilometer bequemer. Das Land ist riesig, und mit jedem vergangenen Fahrtag – wenn man Google Maps öffnet – fühlt es sich an, als wäre man nur mal eben ins Dorf nebenan gefahren.
Was uns als Schweizer, die doch im Wasserschloss Europas wohnen, am meisten auffällt ist, wie trocken es in Spanien ist. Regelmässig passiert man Brücken, die über Flüsse oder Bäche führen, aber Wasser ist meist keines in Sicht. Dafür wachsen hohe Bäume und Stauden in den Bachbetten. Keine Ahnung, wann da wohl das letzte Mal Wasser durchgekommen ist. Vor allem: Je mehr man in den Süden kommt, desto mehr ist es richtig trocken. Wenn man an einem See vorbeikommt, ist es ein Stausee, und wenn dann doch mal ein Bach zum Vorschein kommt, ist es nur so ein kleines Rinnsal, oder es sind schlammige Pfützen. Zum Glück haben die meisten Campingplätze einen Pool, wo man sich abends, nach einem schweisstreibenden Tag, abkühlen kann. Die Natur ist aber trotz Trockenheit richtig eindrücklich. An einem Tag fahren wir über kurvige Pässe durch imposante Berge und Steinansammlungen. An anderen Tagen fährst du stundenlang durch uralte Olivenhaine und Mandelplantagen. Am Abend kommst du dann verstaubt und verschwitzt an. Was in Frankreich noch die Insekten am Visier und am Motorrad waren, sind nun Staub und Sand.
Die Strassen sind richtig gut in Schuss. Paddle hatte irgendwie die Erwartung, dass die Strassenzustände eher schlecht wären, aber dies wurde nicht bewahrheitet. Egal, an welche abgelegenen Orte man kommt, es gibt fast immer eine geteerte Strasse, die dahinführt. Trotzdem haben wir schon ein bisschen Offroaderfahrung gesammelt, auch wenn es «nur» leichtes Offroad ist. Aber mit unserem Gepäck und dem Gewicht der Motorräder ist es eindeutig passend so. Dank dem Enduro Action-Team, welches wir im April 2025 besucht hatten, haben wir die Skills, um uns immer mehr an solche Strassen zu wagen. Paddle war ein paar Mal dankbar dafür und hatte immer wieder mal Amelie’s Stimme im Kopf, die zu ihr gesprochen hatte. Danke, dass ihr es uns ermöglicht habt, dass wir solche Orte besuchen können.
Auf dem einen Weg, den wir eigentlich zu einer Lagune fahren wollten, war es Mischu, der den Stecker gezogen und gesagt hat, dass wir wieder umdrehen sollten, weil es zu gefährlich ist. Es war eine Strasse mit grossem, losem Schotter, der bergab und um mehrere Spitzkehren gegangen wäre. So konnten wir dann leider die Lagune nicht besichtigen, aber die Sicherheit geht definitiv vor. Paddle wäre es vor zwei, drei Monaten auch nicht in den Sinn gekommen, dass die Pfade, die wir manchmal bereisen, auf ihrem Mist wachsen, denn meistens ist es so, dass sie auf Google Maps oder sonst wo etwas sieht, was sie gerne besuchen möchte, und oft endet es auf einer Offroadpiste. Manchmal sind wir schon fast froh, wenn wir an solch einem Weg vorbeikommen, da wir zu Anfang in Spanien echt dachten, dass es hier nur gerade Strassen gibt. Oft wurden wir über die Nationalstrasse navigiert, und die ist nicht besonders kurvenreich. Manchmal sind wir sogar über 50 Kilometer einfach nur pfeifengeradeaus gefahren. Dann fand das Navi, hier müsse man die Strasse verlassen, nur damit man durch einen Kreisel wieder zurück auf die Nationalstrasse kommt. Aber hey, wenigstens konnten wir eine Kurve fahren.
Die Dörfer und Städte, die wir bereits passiert haben, sind meistens sehr eng gebaut und ausgestorben. Da wir eigentlich immer am Nachmittag bei der grössten Hitze unterwegs sind und die Spanier Siesta machen, ist es meistens nicht so lebendig. Alles hat geschlossen, und die Rollläden sind unten. Trotzdem gibt es einiges zu sehen. In Frankreich waren es noch die Châteaus, die auf dem höchsten Punkt standen. Hier sind es die Kirchen. Und was für welche. Sogar wenn man durch ein kleines Dorf kommt, hat es eine imposante Kirche. Bis wir nach Andalusien kamen, waren die Häuser meistens gelb oder sandfarben. In Andalusien sind die gesamten Dörfer in Weiss gehalten, was sehr charmant aussieht und mit der Sonnenabstrahlung zu tun hat.
Tatsächlich haben wir bisher auch die meiste Zeit in Andalusien verbracht. Andalusien ist eigentlich der komplette Süden Spaniens, und uns gefällt es hier super. Es hat kurvige Strassen, aber auch immer wieder mal Strand. Auch offroad kommen wir ab und zu mal vorbei. Was uns richtig beeindruckt hat, war die Region um Almeria. Da kommt eigentlich alles Gemüse her, welches wir in der Schweiz kaufen können, wenn es nicht aus der Schweiz selber kommt. Hier fährt man kilometerlang einfach durch Treibhäuser. Ist manchmal etwas trostlos und auch sehr schmutzig. Vor allem die Abfallberge haben Mischu erstaunt. Aber wenn man es dann von oben sieht, kann man es fast nicht glauben. Insgesamt stehen da 350 Quadratkilometer (!) Gewächshäuser oder, wie wir sie nannten, «die Schneefelder von Almeria». Das ist die Grösse vom Vierwaldstättersee und dem Neuenburgersee zusammen. Oder so gross wie der Kanton Schaffhausen. Einfach unglaublich.
Die Campingplätze, die wir bereits besucht haben, es sind mittlerweile einige an der Zahl, sind richtig gut ausgestattet. Von Frankreich waren wir es uns gewöhnt, dass man meistens das eigene WC-Papier mitbringen muss, und WLan war auch nicht üblich. Das stört uns natürlich überhaupt nicht, aber in Spanien ist es wohl Standard, dass es immer WC-Papier hat. Praktisch jeder Campingplatz hat eine Waschmaschine, was auch durchaus praktisch ist, und Wi-Fi hatten wir bisher bis auf ein- oder zweimal immer. Wenn ihr jedoch einen Campingplatz mit Rasen wollt, könnt ihr wahrscheinlich lange suchen. Paddle meinte letztens, dass sie es richtig vermisst, mal durch Gras zu gehen. Mischu sagte dann nur zu ihr, dass sie, wenn es in der Wüste oder sonst wo Gras hat, wohl lieber in den Sand geht, man weiss ja nicht, was da alles so rumschleicht. Mischu teilte sich die Dusche schliesslich auch schon mit Skorpionen.
Auch wild haben wir in Spanien bereits einige Male übernachtet. Zu Beginn, waren wir noch vorsichtig mit solchen Plätzen, da es in Spanien grundsätzlich verboten ist. Trotzdem haben wir ein paar Plätze genommen, um unser Budget etwas zu schonen. Das erste Mal haben wir in der Nähe von Sant Mateu am Ende einer Schotterstrasse bei einem Wendeplatz geschlafen. Das ist hauptsächlich deshalb gewesen, weil wir einfach keinen Campingplatz finden konnten. Dort haben wir unsere Hängematten aufgehängt und die Nacht verbracht. Es war schon komisch, und Paddle fühlte sich ein bisschen unbehaglich. Mischu wollte unbedingt den HoBo anzünden, und so haben wir im Wald, furztrocken, ein Feuer entzündet. Mit dem HoBo war das aber unproblematisch, und Mischu, ganz der Feuerwehrmann, hat natürlich darauf geachtet, dass er das Feuerchen im Griff behält. Trotzdem gab es logischerweise Rauchentwicklung, und plötzlich kam ein Hubschrauber angeflogen. Paddle hatte schon Angst, dass da irgendwer nach der Ursache des Rauchs forscht, war aber dann nicht so. Auch die Nacht war ungewohnt. Alleine in der Hängematte, niemand der schnarcht nebenan. Paddle hatte wilde Alpträume, natürlich ist nichts passiert.
Das nächste Mal war bei Hessey’s Wildcamping in Navarra. Das ist eigentlich aus Versehen passiert, Paddle dachte, das wäre ein Campingplatz. Der ist auch so ausgeschrieben auf Google Maps. Wie sich herausstellte, war das einfach ein Platz, der von den Hessey’s angeboten wird, gegen Spenden, um zu übernachten. Danach waren wir wieder auf Campingplätzen, und schliesslich haben wir in der Sierra Alhamilla mitten in den Bergen einen einzigartigen Sonnenuntergang genossen und unser Zelt da aufgeschlagen. Als wir zur Küste bei Gibraltar kamen, hatten wir noch zwei Plätze, dass könnt ihr in unserem Reisebericht über Gibraltar nachlesen. Fazit ist, es ist sehr cool wild zu campen. Du hast einfach deine Ruhe, aber irgendwie ist trotzdem immer der Hintergedanke da: Was, wenn jemand kommt? Eigentlich ein Witz, wenn man am Arsch der Heide irgendwo parkiert.
Was wir uns ebenfalls gedacht haben ist, dass es mit einem Camper ja noch die eine Sache ist, irgendwo wild zu stehen. Falls wirklich jemand kommt, fährst du halt weg. Aber mit dem Zelt ist es schon nochmals eine andere Nummer. Und dann sind da natürlich noch die persönlichen Bedürfnisse. Im Wald oder sonst wo zu pinkeln ist noch das eine. Überhaupt kein Problem. Aber es gibt ja auch noch die grösseren, festeren Bedürfnisse. Und ja, Stefan, da kommt dann die berühmt-berüchtigte «Schaufel» zum Einsatz. Wir werden auf jeden Fall wieder solche Plätze besuchen, vielleicht gewöhnt man sich ja irgendwann daran, dass man hierzulande eigentlich etwas Verbotenes macht. Aber wenn man sich im Klaren darüber ist, dass man in der Natur ist und den Platz wieder so hinterlässt, wie man ihn angetroffen hat, ist das unserer Meinung nach nicht so ein Problem.
Auch Besuch aus der Schweiz durften wir bereits empfangen. An der Costa Brava haben wir Misch und Dani besucht, die bei ihrer Grossmutter zu Besuch waren. Wir haben drei tolle Tage in L’Escala mit ihnen und ihrem Hund Enzo verbracht. Sie haben uns richtig verwöhnt, wir konnten duschen und wurden lecker bekocht. Wir haben ihnen dann zum Schluss als Dank auch noch ein Mahl kredenzt: Piccata mit Risotto. Obwohl Misch kein Risotto mag, hat sie ordentlich zugelangt und meinte dann, dass wäre das beste Risotto, dass sie je gegessen habe. Das tut Paddles Kochherz natürlich sehr gut. Etwa eine Woche später haben wir mit Oli und Desiree einen Abend auf einem WoMo-Stellplatz in der Nähe von Tarragona verbracht, sie waren gerade auf dem Heimweg vom Süden Spaniens.
Nun sind wir bereit, ins nächste Land zu ziehen. Es geht natürlich nach Portugal. Vielleicht gibt es hier noch einen zweiten Teil aus Spanien, schliesslich müssen wir nochmal durch den Norden fahren, damit wir wieder nach Frankreich kommen, aber das ist, wie man so schön sagt, Zukunftsmusik. Jetzt sind wir erstmal gespannt, was uns in Portugal alles erwartet. Wir sehen uns da. Buenas noches.