Andorra
Das kleine Land zwischen Frankreich und Spanien besticht durch hohe Berge und kurvige Pässe. Da Andorras Campingplätze eher im höheren Preissegment liegen, auch ausserhalb der Hauptsaison, entschieden wir uns, einen Campingplatz direkt an der Grenze zwischen Spanien und Andorra zu suchen und einen Tagesausflug in das kleine Land zu machen.
Wir haben uns den Zeltplatz im Fronterapark in Lérida ausgesucht. Als wir am Abend nach vielen Kurven, einem Stau aufgrund eines Unfalls und tollen Aussichten in Lérida ankamen, trafen wir auf ein paar Berner Herren, die ebenfalls mit den Motorrädern unterwegs waren. Sie fragten uns, ob wir auch zelten wollen und erklärten uns, dass dies nicht möglich wäre, sie hätten nun einen Bungalow für die Nacht bekommen. Wir entschieden uns, mal die Rezeption zu stürmen und die Lage abzuchecken. Dem jungen, netten Herrn unser Anliegen präsentiert, meinte er, das wäre kein Problem. Na gut, dann hatten die Berner wohl irgendwas falsch verstanden oder so. Er gab unsere Angaben in sein Programm ein und präsentierte uns den Preis von 48 Euro pro Nacht. Na also, das ist uns zu teuer, dann gehen wir wieder. Er merkte wohl, dass etwas nicht stimmt und fragte, ob es uns zu viel wäre. Ja, definitiv. Er erkundigte sich, ob wir denn duschen wollen. Was ist denn das für eine komische Frage? Nein, antworteten wir, und er drückte wieder auf seiner Tastatur herum. Anschliessend präsentierte er uns wieder einen Preis. Nun waren es nur noch 24 Euro. Gut, das nehmen wir. Er drückte uns eine Schlüsselkarte in die Hand und sagte uns, wir sollen zur 117 fahren, er käme gleich nach. Hä? Für unser Zelt brauchen wir doch keine Schlüsselkarte …
Langer Rede, kurzer Sinn, schliesslich nächtigten wir in einem zweistöckigen Chalet und waren mehr als überrascht. Hier kann man wohl mit den Leuten handeln wie auf einem türkischen Basar. Gut, alles ausgepackt und die Situation mal sacken lassen. Da wir nun so einen tollen Preis hatten, machten wir uns nochmals auf den Weg zur Rezeption und fragten, ob es möglich wäre, dass wir auch eine zweite Nacht bleiben könnten. Gar kein Problem, also noch mal 24 Euro hingeblättert.
Nach einer erholsamen Nacht in einem kuscheligen Bett und einer wohltuenden Dusche machten wir Frühstück und bestiegen unsere Bikes, um nach Andorra zu fahren. Damit wir etwas wendiger und vor allem leichter unterwegs waren, hatten wir unsere Taschen entfernt. Da Mischu irgendwo gelesen hatte, dass in Andorra grundsätzlich alles billiger sei, entschieden wir uns, auch dort unsere Tanks zu füllen und die Besorgungen fürs Nachtessen zu machen.
Nach dem Grenzübergang waren wir erst mal sprachlos. Spanien hat auch sehr tolle Strassenbedingungen. Aber Andorra war schon fast mit der Schweiz zu vergleichen. Vorbei an diversen Einkaufshäusern, die mit steuerfreiem Einkauf werben, und unzähligen Tabakwerbungen waren wir kurz darauf in Andorra la Vella, der Hauptstadt des Landes. Auch hier konnte man wieder sehen, dass hier sehr auf die Infrastruktur und die Häuser geachtet wird. Alles war sehr geordnet und modern. Viele Häuser sind aus Stein, wahrscheinlich aus den umliegenden Bergen gebaut. Und der Verkehr war echt Wahnsinn. Da wir uns aus Spanien gewöhnt sind, dass praktisch niemand um diese Zeit auf der Strasse unterwegs ist, war es eine kurze Umstellung.
Raus aus der Stadt machten wir uns durch La Massana auf in Richtung des ersten Passes, dem Coll de la Botella, bis zur Grenze nach Spanien zum Puerto de Cabus. Dort angekommen, endete die Strasse dann auf einem Schotterweg, der wieder nach Spanien führen würde. Wir machten oben eine Pause, um ein paar Fotos zu schiessen und kehrten anschliessend wieder um. Wir wollen ja heute Andorra erkunden. In La Massana machten wir den Tankstopp, der teurer war als erwartet, der Liter kostet hier 1.60 Euro. Doch nicht so günstig wie angekündigt. Wieder vollgetankt, bogen wir in Richtung Ordino ab und nahmen den Pass Coll d’Ordino nach Canillo. Unten angekommen, hatte Mischu Lust auf ein Eis, und wir machten in Soldeu einen Halt, da es hier einen Laden gab, der spannend aussah. Dieser warb mit Spirituosen und Tabak, alles Waren, die erheblich billiger waren als in Spanien. Beim Betreten des Ladens steht man erstmal in der Spirituosenabteilung. Also, hier kannst du echt alles kaufen, was du willst. Auf in den nächsten Stock, hier war die «Grabbel-Abteilung». Es gab Küchenutensilien, Dekoartikel, Räucherstäbchen, Statuen und Destilliermaschinen. Es war sehr spannend, da durchzulaufen und einfach mal rumschauen. Das Haus hatte einen dritten Stock, auch den besuchten wir, da war die Tabakabteilung. Da wir sowieso vorhatten, Tabak zu kaufen, sahen wir uns um und schauten, was es preislich wirklich ausmacht, wenn wir hier einkaufen. Und man muss schon sagen, das hat sich gelohnt. Abgesehen von unserem Tabak, zu dem es noch ein Gratis-Feuerzeug dazu gab, waren alle anderen Raucherwaren mit einer Flasche Schnaps verbunden, die es zu den Zigaretten gibt. Ok, das ist mal eine spezielle Verkaufsart.
Wieder unten im ersten Stock, stöberten wir uns durch die Lebensmittelabteilung. Es gab Salami, den man probieren konnte, Schinken in allen Formen und Farben sowie Käse. Paddle futterte sich einmal durch, und Mischu meinte zu ihr nur, dass sie schlimmer wäre als er. Naja, es war ja zum Probieren hier, also los! Da wir noch weiterwollten und, ehrlich gesagt, ziemlich erschlagen waren von der Auswahl, kauften wir lediglich noch ein Schnapsglas für Paddles Mami und machten uns dann weiter auf den Weg Richtung französische Grenze. Auf dem Weg dorthin wollten wie eigentlich noch zu den Bergseen, die in Grau Roig beheimatet waren, aber leider fährt man da lediglich zum Parkplatz des Skigebietes, und weiter ging es dann nicht mehr.
Für diese Wanderung hatten wir keine Zeit, also ging es wieder zurück. Über den Pas de la Casa mit wunderschönen, breiten und langgezogenen Kurven fuhren wir weiter Richtung Frankreich. In Pas de la Casa haben wir unsere Motorräder hingestellt und sind einkaufen gegangen. Auch in diesen Läden konnte man wieder alles bekommen, was normalerweise hohe Steuern hatte, aber das was wir eigentlich wollten, gab es nicht. Da die Leute hier zu Paddles Freude Französisch sprachen, erkundigten wir uns, wo man denn hier Kartoffeln, Früchte und ähnliches kaufen kann. Ein paar Schritte weiter war dann tatsächlich ein Supermercado, den wohl die Einheimischen ebenfalls gebrauchten. Wir dachten schon, hier kann man nur Schnaps und Tabak kaufen.
Also alles eingepackt fürs Znacht, und wieder gings zurück Richtung Andorra la Vella. Da wir nicht auf der Hauptstrasse durch den einzigen Tunnel mit Maut fahren wollten, sind wir wieder über den Coll d’Ordino nach La Massana gefahren und bogen anschliessend auf den Collada de Beixalis ab. Oben angekommen, stand da so ein ominöses Schild, das nach Fahrverbot aussah. Na toll, Paddle war eigentlich langsam bereit für nach Hause und hatte gar keine Lust, jetzt wieder umzudrehen. Wir zündeten uns erstmal eine Zigarette an und beobachteten einen Herrn mit dem Fahrrad, der an einer Selfie-Station – ja da war wirklich extra eine Vorrichtung fürs Handy – ein Foto von sich und seinem Renner vor einem Gipfelfoto-Kunstwerk machte. Hier ging wohl jeweils ein Teil der Tour de France durch. Mischu studierte dann erstmal das Verbotsschild und fand heraus, dass die Strasse am Wochenende gesperrt ist für Motorfahrzeuge und nur für Velos befahrbar ist. Zum Glück war heute nicht Wochenende. Also konnten wir, nach ebenfalls einigen Selfies mit dem Kunstwerk, weiterfahren. Um uns nicht wieder durch Andorra la Vella zu quälen, nahmen wir zum Abschluss über den Coll de la Comella, der mit einer atemberaubenden Aussicht über die Hauptstadt entzückte, den Weg zurück zur spanischen Grenze.
An dessen Grenzposten wurden wir angehalten und hatten schon ein bisschen den Schiss in den Hosen, dass der uns jetzt kontrolliert, aber er lief lediglich um die Motorräder, studierte das Nummernschild und liess uns mit einem „«Vamos!» passieren.
Unser Fazit für Andorra: Das Land ist umgeben von wunderschönen Bergen und hat einige spektakuläre Strassen. Für Velofahrer ist es wohl das reinste Paradis. Mit dem Motorfahrzeug reicht es, wenn man sich einen oder zwei Tage Zeit nimmt, um das Land zu erkunden. Falls Ihr gerne wandert, kommt Ihr bestimmt auch auf Eure Kosten. Vielleicht könnt Ihr uns ja bei Gelegenheit ein Foto von den Seen schicken, die wir eigentlich besuchen wollten. Fahrt vorbei, es lohnt sich.