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Gibraltar

Welcome To United Kingdom. Oder: Herzlich Willkommen in Gibraltar. Gibraltar liegt im Süden Spaniens und gehört zu Grossbritannien. Gibraltar ist nur gerade mal 6.8 Quadratkilometer gross, heisst somit, wir waren ganz schnell auch wieder hindurchgefahren. Um nach Gibraltar zu kommen, fuhren wir von unserem kleinen Plätzchen am See, welches wir für unsere Nacht auserkoren hatten, durch San Roque nach La Linea de la Concepcion, zur Grenze. Hier wurden auch zum ersten Mal auf unserer Reise unsere Ausweise verlangt, entgegen aller Berichte im Internet reicht auch für Schweizer die Identitätskarte. Nach einem problemlosen Grenzübertritt kamen wir in Gibraltar an. Und wie bereits gesagt, gehört Gibraltar den Briten, heisst, es ist alles auf Englisch angeschrieben. Wir verstehen also wieder einigermassen, was auf den Schildern steht. Auch die Verständigung ist etwas einfacher, wenn man auf Englisch kommunizieren kann. Jedoch, zur Enttäuschung von Mischu blieb der Verkehr auf der gewohnten Seite, und wir mussten uns nicht für einen halben Tag umgewöhnen.

Grundsätzlich gibt es eine Strasse, die einmal rund um den Rock Of Gibraltar, den gut 400 Meter hohen «Berg» herumführt, alles der Küste entlang. Zuerst fuhren wir durch einige Hotelanlagen, was alles sehr modern aussah und weiter durch einen Tunnel, der einfach aus dem Stein gehauen worden war. Wir fuhren an ein paar kleinen Stränden mit Containerschiffen am Horizont vorbei und an steilen Klippen, an denen die Wellen sich lautstark brachen.

Und dann plötzlich kommen wir um die Kurve, und was sieht Paddle da, einen echten Leuchtturm. Nur zur Erklärung, Paddle meint, ein Leuchtturm hat rot-weiss zu sein, ansonsten ist es kein «echter» Leuchtturm. Ziemlich durchgeknallt. Als wäre das die Definition eines Leuchtturms und nicht das Licht oben auf dem Dach. Aber auf jeden Fall, das erste Mal im Leben konnte sie nun einen «echten» Leuchtturm bestaunen und das musste Mischu natürlich gleich mal fotografisch festhalten. Das «Tourifoto» war gemacht, und wir fuhren ein paar Meter weiter und kamen dann zum «Point Of Europe».

Da stehen besagter Leuchtturm sowie eine Kanone, und es gibt eine Promenade. Und da, nächstes Highlight: Von hier aus sieht man einfach nach Afrika. Nur gerade mal 23 Kilometer trennen uns von dem wilden Kontinent. Richtig cool. Wir haben da kurz ein Päuschen gemacht sowie die grosse Moschee mit goldenen Verzierungen und Minarette begutachtet, bevor wir uns dann wieder auf die Motorräder geschwungen haben und eigentlich den «Rock Of Gibraltar» hochfahren wollten.

Auf Google Maps sieht man, dass es da Strassen hat, also muss man auch hochfahren können, oder? Falsch gedacht. Wir sind einige Zeit durch Gibraltar gekurvt und probierten immer wieder andere Strassen aus, um auf den höchsten Punkt zu kommen. Durch schmale Strässchen, arschsteil, mussten wir uns kämpfen und dann an den wirklich blödesten Orten wenden. Paddle kam sich echt vor wie ein richtiger Fahranfänger, wie sie da ihren Bock in den Steilhängen zu wenden versuchte. Irgendwann war ihr das dann genug und sie meinte nur zu Mischu: «Ich glaube nicht, dass die wollen, dass man da hochfährt.» Überall gibt es Fahrverbote, an einer Strasse sass sogar einer unter einem Schirmchen und zeigte uns, dass wir in die andere Richtung fahren müssen. Wenn man wirklich da hochwill, muss man ins Portemonnaie greifen und ein paar Taler liegen lassen für die Seilbahn, die hochfährt.

Wir entschieden uns dann, dass wir unser Geld lieber im Restaurant ausgeben und etwas essen gehen. Wir parkierten und gingen zu einem Restaurant direkt an der Strasse, aber unter Bäumen, um der Hitze etwas zu entkommen. Und was isst man, wenn man schon mal in «England» unterwegs ist? Genau, Fish And Chips. Das war richtig gut, aber auch nicht gerade sehr kostengünstig, da wir auf Empfehlung eines Schweizers, den wir in Orgiva getroffen haben und der da schon lange lebt, keine Pfund für Gibraltar gewechselt hatten. Das wäre uns ehrlich gesagt auch gar nicht in den Sinn gekommen, dass wir das müssten. Auf jeden Fall haben wir dann in Euro bezahlt und zahlten dann natürlich viel mehr. Dafür haben wir uns dann noch die Tanks gefüllt für 1.07 CHF pro Liter, und somit war das fast wieder reingeholt.

Anschliessend machten wir uns wieder auf zur Grenze, um wieder nach Spanien zu kommen. Da ist vor uns noch ein übermotivierter Rollerfahrer (die es dort zu Tausenden gibt, und keiner kennt irgendeine Regel) unter ein Auto gekommen. Es ist ihm nichts passiert, keine Sorge. Und schon standen wir wieder an der Grenze. Vor uns hatte es gefühlt 100 Autos, die alle auch wieder raus wollten. Na toll – Feierabendverkehr. Da kam ein anderer Motorradfahrer und winkte uns, wir sollen ihm folgen. An allen Autos vorbei, da gibt es wohl eine separate Motorradspur. Das wussten wir ja nicht. Macht aber bei den ganzen Rollern, die da rumgurken, eindeutig Sinn. Ausgeschildert ist das aber nicht, das weiss hier einfach jeder. Also wieder über die Grenze, Ausweis nochmal zeigen und zurück nach Spanien.

Für die Nacht haben wir uns noch einmal einen Wildcampingplatz gesucht in der Nähe von Tarifa, direkt am Meer. Da sind wir dann auch hingefahren, und als wir ankamen, standen da bereits Polen mit ihrem Camper, und ein paar Jungs kamen gerade vom Kiten und haben sich umgezogen. Von da aus hatten wir noch bessere Sicht nach Afrika. Hier ist die Strasse von Gibraltar nur gerade mal 14 Kilometer breit. Ausserdem stand da ein Schild: «Camper über Nacht und Zelten verboten.» Na bravo, dann war das wohl nichts. Mischu ist dann kurz ein paar 100 Meter weiter einen Hang hinauf und meinte nur, als er zurückkam, dass da Bauernhöfe wären. Das war also auch nichts.

Wir haben dann trotz Paddles Einwänden mal unsere Motorräder eine Buschreihe nach dem Schild parkiert, uns ausgezogen und wollten ins Meer. Das war aber richtig eklig, der gesamte Strand war voll mit Seegras, und so hat es auch gerochen. Wir haben dann doch ein kleines Plätzchen ohne Gras gefunden und konnten da kurz eine Katzenwäsche machen, das Wasser war wirklich kalt. Zurück beim Töff, war es bereits zur fortgeschrittenen Stunde, und wir hatten Hunger. Mischu meinte, wir essen jetzt erstmal was und schauen dann weiter. In dieser Zeit ist die Guardia Civil, sowas wie die Bürgerpolizei, vorbeigefahren und hat alles sehr genau abgecheckt. Das hat nicht gerade zu Paddles Wohlbefinden beigetragen. Sie war richtig angespannt. Wenn man hier nicht Campen darf und die sogar Kontrolle machen, sollten wir vielleicht besser gehen. Mischu sah das alles nicht so eng. Nachdem die Guardia Civil noch drei weitere Male vorbeigefahren war, sind dann die Polen wieder weggefahren. Nun waren wir alleine, und mittlerweile war es auch dunkel. Jetzt such dir mal noch einen anderen Platz, um zu schlafen. Paddle ergab sich dann ihrem Schicksal, und wir haben unser Tarp auf den Boden gelegt und unsere Matratzen darauf. Wenn man kein Zelt aufstellt, macht man ja nichts Verbotenes, oder? Auf jeden Fall haben wir dann mit Blick auf Afrika die Nacht unter dem Sternenhimmel verbracht.