Frankreich 1.0
Bei sonnig warmen Temperaturen sind wir um die Mittagszeit in Grosswangen gestartet und haben uns auf den Weg Richtung Pontarlier gemacht. Unser ursprünglicher Plan, einen Campingplatz am Lac de Saint-Point aufzusuchen, ist leider gescheitert, da dieser Mitte April noch nicht geöffnet hatte. Daher hat unser erster Reisetag in Vuillafans am Ufer des Loue geendet, wo wir den Camping Municipal Le Pre Bailly besucht haben. Dort haben wir uns entschieden, erstmal gleich einen Pausentag einzulegen, da die Abfahrt von zu Hause, mit all den Erledigungen und Organisationen, die noch gemacht werden mussten, doch stressiger war als erwartet.
Als es uns am ersten Morgen, dank sehr warmen Temperaturen, verhältnismässig früh aus dem Zelt gejagt hat, haben wir uns erstmal Kaffee gekocht und ein Frühstück bei herrlichem Wetter genossen. Damit wir am Abend auch wieder etwas zum Nachtessen hatten, mussten wir unsere Motorräder satteln und sind nach Pontarlier gefahren, um einzukaufen. Dank Mischu’s Navi haben wir einige entlegene Örtchen befahren und uns entschlossen, auf dem Rückweg noch einen kurzen Halt auf dem Aussichtspunkt «Point de vue de Moine» zu machen und einen kleinen Pausensnack mit Salami, Käse und natürlich köstlichem Baguette zu geniessen.
Am nächsten Morgen haben wir unser Zelt wieder abgebrochen, was zu Beginn noch nicht so eingespielt war und länger dauerte als gedacht. Gegen Mittag sind wir dann los und sind durch die Berge und Schluchten «gehuscht». Da wir auf keinen Fall durch Lyon fahren wollten, haben wir uns einen Weg um Lyon herum gesucht und sind schlussendlich in Chatillon-sur-Chalaronne auf dem Camping Le Vieux Moulin gelandet. Die Dame an der Rezeption war sehr zuvorkommend und hat uns eingecheckt. Da Paddle mit Mischu Schweizerdeutsch gesprochen hat und Paddle das Sprechen übernommen hat, hat sie dann Mischu auf Englisch angesprochen, was ihn kurzzeitig aus dem Konzept gebracht hat. Eigentlich war auch er mittlerweile in Frankreich angekommen und hat einiges auf Französisch verstanden. Nur mit der Antwort hat es noch etwas gehapert. Als wir uns auf dem Platz eingefunden hatten, hat Mischu wieder wie gewöhnlich mit dem Errichten des Zeltes begonnen und Paddle in dieser Zeit etwa zweimal über den Platz gescheucht, damit sie an der Rezeption nach dem WLAN-Passwort fragen kann. Leider war die Dame bereits unterwegs, und somit wurde es dann auch nichts mit dem Internetzugang. Halb so wild. Nach einer leckeren Carbonara und dem Abwasch, der mit warmem Wasser vonstattenging, haben wir uns gedacht, dass man hier auch duschen könnte. Wenn schon das Abwaschwasser warm aus dem Hahn kommt, sollte es eigentlich in der Dusche auch so sein. Also: alles zusammenpacken und ab unter die Dusche hüpfen. Das Wasser kam auch tatsächlich warm. Das Problem war nur, dass die Brause irgendwie so eingestellt war, dass man fast mit der Wand verschmelzen musste, um auch noch etwas davon abzubekommen. Aber was solls, um sich zu waschen, reichte es aus.
Von Chatillon-sur-Chalaronne hat uns unsere Reise in Richtung Clermont-Ferrand geführt. Nach abgelegenen Dörfern und grünen Wiesen sind wir durch Roanne gefahren, wo Mischu kurze Zeit per Handzeichen an Paddle ein Auto weiter hinten die Route angezeigt hat, da die gute Dame vor Paddle in den Kreisel gefahren ist. Sie war dann so lange zwischen uns, dass wir uns kurzzeitig gefragt haben, ob sie wohl ebenfalls Mischu’s Weganweisungen folgt. Nach einiger Zeit hat sie aber dann Platz gemacht und Paddle an ihr vorbeigelassen. Wieder vereint, kurvten wir nach Billom, um auf unserem rausgesuchten Camping unser Nachtlager aufzuschlagen. Leider haben wir uns erst in der Adresse geirrt und mussten dann mit Hilfe von ein paar Einheimischen feststellen, dass das Camping noch gar nicht geöffnet hat. Da wir ohne Internet unterwegs sind, hat es uns diese Info leider nicht durchgegeben. Also hiess es weitersuchen. So mussten wir dann wohl oder übel nochmal 50 km unter die Räder nehmen, um zum nächsten Camping zu kommen. Schlussendlich sind wir in Issoire auf dem Camping Municipal gelandet. Dort mussten wir einen kurzen Moment an der Reception totschlagen, da es gerade einigen Ansturm gab. Als alles geregelt war, sind wir an einigen Autos neben der Barriere durchgefahren und haben unseren zugewiesenen Platz gesucht. Der war schnell gefunden, da wir ein hübsches kleines Plänchen von der Dame an der Rezeption bekommen hatten. Und somit hiess es wieder, unser Zuhause aufzustellen. Da Paddle dabei irgendwie eh nicht so viel machen kann und einer alleine das Zelt locker aufstellen kann, hat Mischu das übernommen, und Paddle hat sich darum gekümmert, dass es etwas in den Magen gibt. Mit dem Benzinkocher hatte sie zu Beginn noch einige Probleme, und daher hat es dann auch einen kleinen Haar-Unfall gegeben. Aber alles halb so wild, auch Glatze steht ihr hervorragend. Da wir an einigen Plätzen des Campings WLAN hatten, konnten wir uns erstmal um die Lieben zu Hause kümmern. In den drei Tagen, die wir schon unterwegs waren, haben wir so einige Nachrichten bekommen und konnten diese nun beantworten.
Nach einer erholsamen Nacht machten wir uns am Samstagmorgen weiter auf den Weg in Richtung Süden. Da Paddle’s Papi erzählte, dass es in der Ardèche megaschön wäre, war das unser nächstes Reiseziel. Über Wege, die wohl kein normaler Tourist sonst befährt, haben wir uns durch dichte Wälder und über saftige Wiesen den Weg nach Saint-Michel-de-Chabrillanoux gesucht. Da wir mitten in der Blütenzeit unterwegs sind, sahen wir, unsere Motorräder und die Taschen auch dementsprechend aus. Alles war Gelb, und leider müssen wir uns auch dazu bekennen, dass wir einige Fliegenvölker und anderweitige Insektenfamilien verkleinert haben. Am Ende des Tages sind wir auf einem kleinen Camping, sehr alternativ wirkend, hoch oben in den Bergen angekommen. Wir haben kurz eingecheckt und uns bei windigem Wetter unseren täglichen Aufgaben gewidmet. Mischu hat das Zelt aufgestellt, und Paddle hat sich in dieser Zeit um das Nachtessen gekümmert. Heute gab es Risotto mit Hacktätschli. Am nächsten Morgen klingelte uns der Wecker um 08.00 Uhr aus dem Bett. Wir haben all unsere Siebensachen wieder eingepackt und auf das Motorrad gesattelt.
Heute würden wir nochmal etwas zurück Richtung Schweiz fahren, da Mischu sich einen Punkt gespeichert hat, den er gerne besuchen möchte. Es handelt sich um eine Passstrasse, die anschliessend in einer Schlucht endet und wo man durch einige Tunnel am Klippenrand fährt. So hat er sich dies jedenfalls gespeichert. Also haben wir den Punkt auf dem Navi eingegeben und sind los in Richtung Grenoble gefahren. Als wir in der Gegend um Grenoble ankamen, fuhren wir gefühlt stundenlang durch Baumplantagen. Wir haben uns zu Beginn gefragt, was das wohl für Bäume sind. Überall ist der Frühling eingezogen, und die Bäume waren grün, blühten zum Teil bereits. Aber diese Bäume hier waren sozusagen noch im Winterschlaf. Als wir dann immer wieder mal bei Bauernhöfen vorbeikamen, die ihr Öl angepriesen haben, machte es dann Klick. Hier wachsen also die ganzen «Noix de Grenoble», Baumnüsse aus Grenoble. Es war sehr eindrücklich zu sehen, wie viele Plantagen hier stehen. Praktisch das ganze Tal ist bepflanzt mit Nussbäumen. Als wir dann wieder in höhere Lagen kamen, hatte man nochmal einen spektakulären Blick auf die Baumnussplantagen.
Aber nun ging es weiter bergauf, und wir schlängelten uns in Richtung des Routenpunkts, der «Gorges du Nan» welche sich Mischu gespeichert hatte. Auf dem Pass angekommen, der dann schlussendlich in der Gorges du Nan endet, waren einige Motorradfahrer auf dem Parkplatz vertreten. Mischu hat oben kurz eine Pause vorgeschlagen und die Kameras montiert, damit wir euch auch Aufnahmen aus der Schlucht zeigen können. Nun hiess es wieder bergab und los gings… Zuerst fährt man ewig lange durch Wälder und schlussendlich, kurz bevor man unten angekommen ist, fährt man sozusagen zwischen zwei Bergen durch und passiert zwei kurze Tunnels. Im Dorf angekommen, haben wir angehalten, und Paddle musste schmunzeln. Nach Mischu’s Erzählungen hatte sie sich etwas mehr darunter vorgestellt. Na gut, die Strasse war trotzdem ok, auch wenn der Schluss noch durch Kies und aufgerissene Strassen führte, da die Region unter der Woche die Route saniert. Nun hiess es wieder nach dem Campingplatz schauen. Mischu hat einen gefunden in Die, der vielversprechend aussah. Paddle hat ihn dann auf Google Maps eingegeben war der Meinung, das könnte passen. Mischu hatte dann die tolle Idee – etwas, was er sonst nie tun würde – nochmals die eben gefahrene Strasse raufzufahren, da wir sonst ewig lange auf Hauptstrassen unterwegs sind. Paddle war davon nur so mässig begeistert. Jetzt sind wir in einem so grossen Land und müssen zweimal, gleich hintereinander, dieselbe Strasse fahren? Na toll… Nach anfänglicher Diskussion hat sie sich dann aber doch überwunden und sattelte wieder ein. Dies würde er aber noch ein paar Mal zu hören bekommen… 😊
Endlich angekommen, konnten wir an der Rezeption einchecken und durften uns dann unseren Platz aussuchen. Also hiess es wieder: Häuschen aufstellen und Nachtessen kochen. Dasselbe Prozedere wie jeden Tag. Kurz nachdem wir fertig mit kochen waren, kam ein älteres Paar auf uns zu, welches ebenfalls aus der Schweiz kam. Sie haben, nachdem die Kinder ausgeflogen sind, alles in der Schweiz verkauft und hausen in ihrem Camper. Meist verbringen sie den Winter in Spanien und sind nun auf der Rückreise in die Schweiz, um mit ihren Lieben den Sommer zu verbringen.
Wir haben anschliessend gegessen und uns entschieden, doch wieder mal eine Dusche aufzusuchen. Leider war es schlussendlich nur eine Katzenwäsche, da nicht sehr angenehmes Wasser aus der Brause strömte. Aber was solls, immerhin stanken wir nicht mehr vor uns her …
Nun haben wir beschlossen, in Richtung Provence – Haut-Provence zu fahren, um hoffentlich schon bald das Meer zu sehen. Auf unserer Route sind wir durch einsame Steppen und kleine Städtchen in den Bergen gefahren. Was immer mehr auffällt, gefühlt in jedem Städtchen gibt es irgendein Château, welches hoch oben thront. Es ist wirklich reizvoll, da durchzufahren. Paddle hatte oft ein schlechtes Gewissen, durch die schmalen Gassen zu fahren, da sie gefühlt ein total lautes Motorrad hat. Am Abend erzählte sie Mischu dann auch, dass sie oft einfach die Kupplung gezogen hat, damit es nicht so einen Riesenlärm veranstaltet. Er sah sie nur ungläubig an und bemerkte, dass er extra in einem hohen Gang fahre, damit die Ténéré so richtig kernig knurrt. Das ist ja wirklich sehr charmant. Zusätzlich merkte er an, dass die Motorräder der Franzosen wohl oft keine DB-Killer haben, ausschliesslich ein Rohr hintenraus und die ja wohl viel mehr Krach verursachten als wir. Sie soll sich da also wirklich kein schlechtes Gewissen machen.
Irgendwann kam dann auch das Schild am Strassenrand: Willkommen in der Haut-Provence, und schlagartig veränderten sich die Vegetation und das Klima. Wir kamen richtig ins Schwitzen, und wenn wir irgendwo anhielten, wurden wir von Mücken begrüsst. Juhu, die haben wir ja wirklich schon fast vermisst. Auf dem Camping Le Barralet in der Nähe der Pont du Gare haben wir schlussendlich unser Zelt aufgeschlagen und uns erstmal mit Anti-Mückenspray eingeseift. Hoffentlich bringt das was gegen diese Mistviecher. Paddle hat da irgendwie eine Aversion gegen diese Brummer und begann bereits wieder, paranoid zu werden im Hinblick auf die blöden Mückenstiche.
Mit dem Start in die neue Woche hiess es am Dienstag endlich: Meer, wir kommen. Paddle hatte langsam genug von den Bergen und sehnte sich nach den Weiten der See. Also alles wieder zusammenpacken, und auf geht es. Da Mischu ein super tolles Navi hat, sind wir wieder an Orten vorbeigekommen, die man wahrscheinlich einfach so nicht besuchen würde. Es hatte aber durchaus seinen Reiz, durch die angesiedelten Rebberge und die süssen kleinen Bergdörfer zu fahren. Sogar einen schönen Pausenplatz hat Mischu auserkoren, inmitten von Reben, da Paddle das letzte Mal den Spruch fallen liess, es wäre doch toll, mal an einem schönen Ort eine Pause zu machen und nicht auf dem Parkplatz vor einem der Einkaufszentren nach den täglichen Besorgungen. Weiter ging es nach einer kleinen Stärkung dem Ozean entgegen. Mit jedem Hügel, den wir überwunden hatten, hoffte Paddle, endlich das Meer zu sehen. Leider wurde sie viele Male enttäuscht. Aber plötzlich war es dann soweit, ganz kurz konnte man einen Blick draufwerfen, bevor es um die nächste Kurve wieder hinter einen Hügel ging. Nun ging es nicht mehr lange, und um 17.10 Uhr kamen wir am Campingplatz, den wir rausgesucht hatten, an. Leider war es heute so, dass die Rezeption ausserordentlicherweise bereits um 17.00 Uhr geschlossen hatte. Na super, wir sind 10 Minuten zu spät gekommen. Wir haben uns umgedreht, und genau in diesem Moment musste die Taube über uns sich erleichtern. Zum Glück ging es daneben, aber da sie wohl etwas Falsches gegessen hatte, spritzte es in alle Richtungen, und Paddle konnte sich den Schiss von der Kleidung putzen. Vielen Dank auch. Nun hiess es aber auch, wir mussten einen anderen Camping suchen. Gesagt getan, wir mussten nur nochmal eine Stunde fahren und zirka 60 Kilometer hinter uns bringen. Dafür war dieser Campingplatz direkt am Meer. Angekommen in Cap Leucate, entschieden wir uns, dass wir zwei Nächte bleiben, da wir endlich mal die Wäsche machen sollten. Es war zwar nicht die allerbeste Entscheidung, da der Campingplatz einiges mehr kostete als die anderen bisher, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Am Platz angekommen, wurden wir wieder von unseren lieben Freunden, den Mücken, begrüsst. Das konnte ja heiter werden. Zum Nachtessen haben wir uns entschieden, endlich die Schwedenpfanne auszutesten, die Paddle bereits seit eineinhalb Wochen durch die Gegend chauffiert. Es hat sich also gelohnt, diese einzupacken.
Nach der Nachtruhe hat Paddle die Wäsche gewaschen, und Mischu hat sich um das Frühstück gekümmert. Anschliessend haben wir unsere Wäsche quer über das Zelt zum Trocknen gehängt, und danach ging’s runter ans Meer. Da es bedeckt war, aber irgendwie trotzdem warm, haben wir unsere Pullover ausgezogen und sind den Strand raufgegangen, bis wir zu einem Steinwall kamen und der Strand unterbrochen wurde. Dort, am Kanal vom Étang de Leucate, hat es einige Fischerhäuschen, die ihre Austern und Miesmuscheln, welche sie im Étang fangen, anbieten. Wir hatten aber nicht sonderlich Lust, da einzukehren und sind weiter gegangen, da wir auf der Karte gesehen hatten, dass es etwas weiter vorne Einkaufsmöglichkeiten gibt. Als wir dann bei den vermeintlichen Einkaufsmöglichkeiten ankamen, mussten wir feststellen, dass wir mitten ins Nudistendorf gelatscht waren. Da war alles mit Toren verbarrikadiert, so dass wir dann doch nichts einkaufen konnten. Also wieder zurück zum Zelt und das Motorrad satteln. Wir sind dann eine kurze Strecke bis nach Port Leucate gefahren und sind dort einkaufen gegangen für den nächsten Morgen.
Zum Nachtessen haben wir uns entschieden, auswärts essen zu gehen. Im Hafen haben wir ein kleines Restaurant gefunden, das noch einen Tisch frei hatte. Mischu hat sich zur Vorspeise Crevetten bestellt und Paddle einen Teller mit Salat und Rohschinken. Zum Hauptgang gönnten sich beide Moules marinières mit Pommes frites, und zum Dessert haben wir noch eine Waffel gegessen. Beim Zahlen gab es ein kleines Missverständnis, da Mischu dem Herrn vom Restaurant Geld in die Finger drückte, wovon er ohne genaueres Hinsehen dachte, dass es sich um 50 Euro handle. Es waren aber nur 10 Euro, und die beiden haben sich angesehen, aber niemand hat mehr gesprochen. Schlussendlich haben sie sich dann doch noch verstanden, und Mischu holte die 50er-Note hervor. Also alles gut, wir müssen nicht abwaschen. Zurück beim Motorrad, ging es wieder zurück zum Zelt.
Am darauffolgenden Tag haben wir nach einer Garage gesucht, da Paddles Hinterradpneu bereits ziemlich runtergefahren war, immerhin hatten wir bereits 3000 km hinter uns, und der Pneu hatte zum Start mindestens genau so viel bereits abgespult. Mischu suchte sich einen raus in Toulouse, also gings wieder zurück in die Berge. Auf dem Weg nach Toulouse haben wir nach den ersten paar Hügeln, die wir passiert haben, die Sicht auf ein Tal bekommen, was sehr abstrakt wirkte. Wir haben uns beide gefragt, was das wohl für Bäume sind, die da wachsen. Die sahen von weitem aus, als wären sie schwarz. Da wir bisher nur saftige Wiesen sowie grüne und blühende Wälder befahren hatten, kam uns das komisch vor. Als wir dann dort ankamen, ging uns auch ein Licht auf. Anscheinend hatte es hier gebrannt. Die Bäume, die wir für komische Arten hielten, waren alle verbrannt. Teils hingen noch die Tannzapfen an den Tannen, aber Nadeln fehlten komplett. Rundherum gab es aber trotzdem grüne Wiesen und auch Rebberge, die sich wohl bereits erholt hatten von dem Brand. Wir haben uns gefragt, ob es wohl letztes Jahr gebrannt hatte oder ob dies wohl schon länger her ist? Und wie lange wird es wohl dauern, bis sich die Natur komplett von dem Inferno erholt hat? Dieser Anblick hat uns nachdenklich gestimmt. Schon eindrücklich, was die Natur alles zerstören, aber auch wieder aufbauen kann, wenn man sie dann lässt. Nach etwas mehr als einer halben Stunde kamen wir wieder in grüneres Gebiet und machten Pause in einem Park eines kleinen Dorfes.
Als wir in Toulouse ankamen, war die Honda-Garage geschlossen, aber nebenan war direkt eine Yamaha-Vertretung. Also dann, die haben auch Pneus. Am Empfang angekommen, hat Paddle ihr Anliegen vorgebracht. Leider hatten sie keinen Pneu in dieser Dimension, aber ein paar hundert Meter weiter vorne gibt es einen Reifenhändler. Die haben fast alles. Also ging es zum nächsten. Auch dort haben wir wieder unsere Geschichte vorgetragen, der junge Herr hinter dem Tresen glaubte aber irgendwie nicht, dass es die richtige Grösse ist, welche wir ihm angegeben haben. Also, dann schau halt selber. Er konnte es fast nicht glauben, aber es war wahr. Er hat bei sich im Lager geschaut, etwas solches führen sie nicht. Er hat sogar noch seinen erfahrenen Kollegen dazugeholt, aber auch der konnte nicht weiterhelfen. Bestellen wäre aber möglich, geht aber mindestens eine Woche. Das war uns dann irgendwie doch zu lang. Er meinte dann zu uns, wir sollen doch zu Honda, aber die haben ja geschlossen, wie wir ihm erklärten. Er schaute uns an: «Was, heute haben die geschlossen?» Ja, sah jedenfalls so aus, als wir vor 15 Minuten dort standen, keinen Kilometer von hier entfernt. Er klärte uns dann darüber auf, dass die umgezogen sind und nun einen neuen Standort haben. Perfekt, dann fahren wir diesen an. Als wir ins Geschäft kamen, wurden wir freudestrahlend vom Verkäufer begrüsst. Paddle trug noch einmal ihre Geschichte vor, und er leitete uns zu seinem Kollegen von der Werkstatt weiter. Das war wohl der Werkstattleiter, jedoch nicht gerade der gesprächige Typ. Schlussendlich hat es aber dann doch geklappt, und er konnte einen Pneu bestellen und würde ihn am nächsten Dienstag gleich montieren. Perfekt, nach einer Anzahlung waren wir wieder entlassen und machten uns auf den Weg zum Camping. Die ganze Rumfahrerei hatte ziemlich Zeit gebraucht, und es war bereits 18.15 Uhr. Der Campingplatz, den wir anfahren wollten, war zirka 50 km entfernt, was hiess, wir kamen erst gegen 19.00 Uhr an. Der Empfang hatte aber bereits um 18.00 Uhr geschlossen, und da standen wir: Im Regen, voll kaputt und ohne Obdach. Wir entschieden uns dann aus Mangel an anderen Optionen dazu, ein Hotel zu suchen. Obwohl, die Möglichkeit irgendwo wild zu übernachten, gab es doch, jedoch in Anbetracht unserer durchnässten Kleider und der ungnädigen Haltung von Petrus, in naher Zukunft seine Schleusen nicht zu schliessen, war das keine Idee, die schmackhaft war. Das Erste, welches wir anfuhren, war irgend so eine verlotterte alte Hütte, die irgendwie geschlossen aussah. Na dann, weiter geht’s. Beim nächsten Ort handelte es sich um Zimmer auf einem Bauernhof. Als wir vorfuhren, kam auch sogleich ein Herr ins Freie zu uns und fragte, was wir denn möchten. Wir fragten nach einem Zimmer, und er erklärte uns, wir hätten nicht reserviert und somit auch kein Zimmer. Paddle versuchte dann, ihm zu erklären, dass sie eine Motorradpanne hatten und daher zu spät auf dem Camping waren. Das interessierte den Guten aber nicht im Geringsten. Wir fragten dann noch, ob er sonst noch etwas kennt, was er verneinte und uns erklärte, wir müssten wahrscheinlich in die nächste Stadt. Ok, vielen Dank auch. Also wieder in den Sattel und eine weitere halbe Stunde durch die Gegend cruisen.
In Montauban wurden wir dann endlich fündig: Ein Ibis Budget-Hotel. Das nahmen wir. Leider war der Preis nicht sonderlich budgethaft, und wir haben 60 Euro liegen lassen. Dazu kam, dass wir irgendwie langsam Hunger hatten und uns am Abend spät irgendwie noch was zum Essen organisieren mussten. Mischu hatte kurz die Idee, vor dem Hotel den Kocher auszupacken, aber dann hätten wir erst kurz vor Mitternacht was zwischen die Zähne bekommen. Also haben wir uns auf die Motorräder gesetzt und sind zum nächsten Imbiss gefahren. Der hatte eine erstaunliche Auswahl, und wir bestellten uns einerseits ein American Sandwich und andererseits einen Hamburger. Beides mit Pommes frites. Das war sehr lecker, wir waren ehrlich gesagt etwas überrascht. Zurück im Hotel, haben wir dann noch alle unsere Elektrogeräte geladen und sind noch duschen gegangen, damit wir wenigstens das komplette Budget rausgeholt hatten.
Da wir nun einige Tage totzuschlagen hatten, blieben wir in der Region um Toulouse und suchten den «Camping des Oiseaux» in Saint Martory raus. Der ist 80 km von Toulouse entfernt, also nicht allzu weit, um wieder zur Garage zu kommen. In St. Martory wurden wir sehr herzlich begrüsst und gebeten, doch kurz schauen zu kommen. Sie hätten da einen Pavillon, wo wir das Zelt reinstellen können und kochen und so, da es wieder zu regnen begonnen hatte. Perfekt, das nahmen wir so. Als wir unsere beiden Maschinen auf den Platz nebenan stellten, haben wir uns erst mal eine Zigarette gegönnt. Der Herr vom Camping erklärte uns, wir sollen uns in Ruhe installieren, wir würden uns später sehen. Ok, das war neu, bisher mussten wir zahlen und konnten dann auf den Platz. Hier war irgendwie alles ein bisschen anders. Also, Zelt hingeworfen, zwar nicht genau da, wo es angedacht war, da unser Zelt zu gross war, und zeitgleich hat Paddle aus den Resten, die wir noch hatten, etwas gezaubert. Da heute der 1. Mai war und das in Frankreich wohl ein heiliger Sonntag ist, waren alle Geschäfte geschlossen. Tankstellenshops sind uns irgendwie nie begegnet, und somit war auch das Wasser zur Neige gegangen. Nach dem Kochen haben wir abgewaschen, das Bett bereit gemacht und uns anschliessend nochmals auf die Suche nach unseren Gastgebern gemacht. Wir wollten uns erkundigen, ob das Wasser aus den Wasserhähnen Trinkwasser ist, ob sie WLAN haben und wann wir denn zahlen müssen. Aber natürlich kann man das Wasser trinken, fürs WLAN sollten wir kurz rein in die Rezeption, dann können wir den QR-Code scannen, und übers Zahlen sollen wir uns keine Gedanken machen. Da könne man auch morgen oder so noch schauen. Wir erklärten ihnen dann, dass wir wohl ein paar Tage bleiben. Auch das wäre doch gar kein Problem.
Am Samstagmorgen war so schönes Wetter, dass wir uns entschieden, etwas in der Gegend rumzufahren, anstelle nur einzukaufen. Paddle hatte da so eine Strasse auf einen Berg entdeckt, auf dem es eigentlich irgendeinen Wasserfall haben sollte. Nach einem tollen Frühstück – die Gastgeber hatten uns am Abend vorher gefragt haben, ob wir was vom Bäcker möchten –, Croissants und Pain au Chocolat, machten wir uns auf den Weg auf den Col de la Carn. Oben angekommen, war es sehr windig und kalt. Also nur kurz einen Zwischenstopp, um zu schauen, wo wir hinmöchten, und weiter gings. Mischu hatte sich noch eine Grotte in der Nähe gespeichert. In Mas-d’Azil angekommen, montierte Mischu wieder mal die Kamera, damit wir die Strecke aufnehmen konnten. Er hatte Paddle zuvor erklärt, dass das eine Höhle sei, durch die man fahren kann. Ja klar, dachte sie, wahrscheinlich kann man einfach bis zum Eingang fahren oder so. aber gehen wir mal schauen.
Nach zirka drei Kilometern in einer Schlucht sind wir um eine Kurve gefahren, und da tat sich ein Riesenloch im Berg auf. Willkommen in der Gorge du Mas d’Azil. Tatsächlich windet sich die Strasse durch das Loch im Berg mit der Arize auf der einen Seite. Nach rund 300 Metern ist das Spektakel bereits wieder vorbei, und wir haben wieder Himmel über uns. Kurz auf dem Parking angehalten, fragte Mischu Paddle, ob sie noch durchlaufen möchte. Sie merkte schnell, dass das für Mischu nur eine rhetorische Frage war. Natürlich mussten wir noch durchlaufen, denn durchfahren ist ein bisschen zu schnell vorbei. Also Fotoapparat packen und losmarschieren. Es ist schon eindrücklich, was die Natur alles bietet.
Wieder beim Motorrad angekommen, sollten wir jetzt endlich noch einkaufen, sonst gab es heute nur nackte Rösti zum Nachtessen. Also schnell los, es war schon wieder 18.00 Uhr. Zum Glück fanden wir auf halbem Weg noch einen Aldi und konnten kurz das Nötigste besorgen. Nach dem ereignisreichen Tag hatten wir Rösti mit Speck und Raclettekäse. Leider muss man sagen, dass der Käse nicht gerade das Gelbe vom Ei war. Aber egal, geschmeckt hat es trotzdem. Am Morgen darauf war das Wetter nicht so rosig, und wir sind erstmal im Bett geblieben. Irgendwann hat uns dann doch der Hunger rausgetrieben, und wir sind zum Supermarkt um die Ecke, um Brot und das Nachtessen zu organisieren. Da wir ja noch Raclettekäse übrighatten, gab es erst mal eine leckere Käseschnitte. Mit dem Gewürz, das Paddle zuhause vorbereitet hatte, war es sogar super lecker. Nach dem Schnittchen sind wir ins Bett gefallen und somit auch ins Fresskoma.
Am Montag haben wir einen Bricomarche rausgesucht, da sich bei Paddle eine Schraube an der Seitentasche gelöst hatte und diese ersetzt werden musste. Kurz vorher kam noch eine Unwetterzelle vorbei, und kurzzeitig fragte sich Paddle, ob wohl das Zelt das aushält. Aber es war definitiv für noch schlimmere Wetterbegebenheiten ausgelegt. Als es wieder besser wurde, haben wir uns aus dem Zelt getraut und uns bereit gemacht, um einzukaufen. Kurzerhand kam noch die Frau vom Camping vorbei und fragte nach unserem Wohlergehen, sie käme gerade von der Arbeit, und dort hat es wohl richtig gekracht. Wir überzeugten sie, dass es uns gut geht und machten uns auf den Weg nach Cazères zum Einkaufen im Intermarché. Auf dem Weg dorthin verstanden wir dann auch, wieso sie sich solche Sorgen gemacht hatte. Überall auf den Strassen lagen Äste, Blätter und gefühlt alle Blüten, die an den Bäumen hingen. Und als wir auf halber Strecke waren, hatte es weisse Haufen am Strassenrand, und die Wiesen waren weiss. Hier hatte es offensichtlich gehagelt. Zum Glück war das bei uns nicht so …
Am Dienstag war es dann endlich so weit. Wir konnten nach Toulouse, um den Reifen bei Paddle’s CRF zu wechseln. In der Honda-Garage, die CRF abgestellt, sind wir in der Zeit, die die Mechaniker am Arbeiten waren, in die Stadt, um Einkäufe zu tätigen. Nach knapp einer Stunde war das Motorrad wieder abfahrbereit, und wir machten uns auf den Heimweg. Am Tag darauf war es dann soweit. Wir wollten weiter. Der ursprüngliche Plan war es, nach Andorra zu reisen. Aber Mischu hatte nochmal das Wetter gecheckt und meinte nur, in Andorra wäre es richtig kalt. Den Tag durch hatte es 8° C und in der Nacht noch lediglich 1° C mit leichtem Schneefall. Das wollten wir uns nicht antun. Also Planänderung, wir gingen zurück ans Meer und erstmal nach Spanien. Andorra läuft uns ja nicht davon. Alles zusammengepackt, verabschiedeten wir uns von unseren Gastgebern und bedankten uns nochmals. Der Campingplatz des Oiseaux in St. Martory ist definitiv einen Besuch wert, falls Ihr mal in dieser Region unterwegs sein solltet.
Nach knapp fünf Kilometern hielt Paddle Mischu an und bat ihn, kurz mit ihrem Motorrad zu fahren. Irgendwie war es richtig unangenehm. Ab 80 km/h fing das ganze Motorrad an zu pendeln. Geht gar nicht! Also hopste er rauf und machte sich auf den Weg. Anfangs dachte er noch, das wäre, weil sie noch nicht an den neuen Pneu mit Gepäck gewöhnt war. Schliesslich musste er aber sagen, das ist so nicht ganz richtig. Total unangenehm. Er hat kurz geschaut, woran es liegen könnte. Das Rad war gerade drauf, der Pneu hatte die richtige Laufrichtung und das Radlager kein Spiel. Er sagte dann zu Paddle, dass wir zurück bis zur letzten Tankstelle (die hat eine Druckluftstation) fahren und er ihr hinterherfährt, um mal zu schauen, ob er etwas sieht. Wieder in St. Martory, hielten wir bei der Tankstelle, und Mischu packte sein Werkzeug aus und schaute sich das ganze noch mal an. Schliesslich liess er etwas Luft aus dem Pneu und fuhr noch mal eine Runde. Ein junger Mann fragte uns, ob wir ein Problem hätten. Paddle erklärte kurz, was das Problem sei, und er sagte uns, im nächsten Dorf, zirka 20 Minuten entfernt, wäre eine Garage der Marken Dufy/Yamaha Motos, dort gehe er auch mit seinem Motorrad hin. Paddle fragte dann bei Mischu kurz nach, was denn passieren könnte, falls man so weiterfährt. Ob etwas am Motorrad kaputt gehen könnte. Er meinte dann: «Nein, aber du könntest kaputt gehen, wenn du mit 90 Sachen auf die Fresse fällst.» Also fuhren die beiden nach St. Girons in die Garage. Dort erklärten sie dann nochmal das Problem, und es wurde ihnen geholfen. Der Herr Werkstattchef meinte nur, dass viel zu viel geladen wäre und es ein Limit gäbe. Paddle sagte ihm dann, dass sie bereits über 7000 km mit dem Heidenau K60 Scout gefahren wäre und das bisher überhaupt kein Problem war. Er erklärte dann, dass die Michelin viel weicher sind und die Karkassen nicht so viel Gewicht vertragen, und wir sollen doch einen Teil von Paddle bei Mischu aufladen. Die Ténéré mag viel mehr beissen, und überhaupt wäre die CRF ein sehr kleines Motorrad, welches nicht dafür ausgelegt sei. Mischu meinte dann zu ihm, dass Paddle ja auch eine kleine Frau wäre. Haha. Auf jeden Fall, vielen Dank an Dufy/Yamaha Moto, für die Hilfe.
Da es mittlerweile bereits 15.00 Uhr war, entschieden wir uns, wieder zurück nach St. Martory zu fahren, viel weiter würden wir heute sowieso nicht mehr kommen. Als wir wieder vorfuhren, kam ein Typ, der hier auf dem Camping wohnt, vorbei und fragte, ob wir wieder zurückkommen würden? Ja, war die Antwort, weil wir eine Panne hatten und es nicht mehr viel weiter schaffen. Na gut, wir sollen doch wieder auf den Platz, denn wir am Morgen verlassen hatten. Dann kam auch bereits die Dame vom Camping und fragte uns, was passiert war, sie wurde bereits durch den Herrn Gärtner (wie Mischu ihn nannte) instruiert. Wir erklärten es ihr dann, und sie meinte, es komme schlechtes Wetter und Regen mit viel Wind. Das da wäre kein guter Platz, wir sollen auf einen anderen, der windgeschützter ist. Ok, passt für uns. Also kurz umparkieren. Als mischu kurz abwesend war, meinte die Dame wir bräuchten noch einen Tisch und Stühle. Paddle erklärte ihr, dass das nicht nötig wäre, wir hätten unsere eigenen Stühle. Diese Aussage winkte sie nur ab und war schon abgehuscht, um Tisch und Stühle zu besorgen. Es vergingen kaum zwei Minuten, stand sie wieder vor uns, sie hatte wohl mit ihrem Mann telefoniert und meinte zu uns, wir sollen doch in den Wohnwagen, den sie hier fest am Platz hätten. Wäre ja blöd, nur für eine Nacht das Zelt aufzustellen und alles wieder auszupacken. Paddle erklärte ihr dann, das würden sie jeden Tag so machen, also alles halb so wild, und wir wären froh, wenn wir heute Strom hätten, damit wir unsere Powerbanks und so weiter laden können. Sie schaute uns an und sagte, na also, dann ist der Camper nicht mehr so teuer. Der Platz kostet 17 Euro die Nacht, den Camper würde sie uns für 20 Euro überlassen. Wir müssten einfach morgen zwischen 9 und 10 Uhr wieder gehen. Also gut, dann machten wir das so. Vielen lieben Dank an den Camping les Oiseaux. Hier fühlen wir uns richtig gut aufgehoben und aufgenommen. Wir kommen sehr gerne wieder bei euch vorbei.
Nachdem wir am gegen Mittag von St. Martory losgefahren waren, machten wir uns durch die Pyrenäen auf Richtung Meer. Unser Endziel war Lagrasse in der Region Corbières-Fenouillèdes. Auf dem Weg dorthin haben wir einige spektakuläre Pässe befahren und sind durch viele kleine Rebbaugebiete gefahren. Dieses Frankreich hat nicht ohne Grund den Ruf eines Weinbaugebietes. Wir sind praktisch in jeder Region, die wir bisher befahren haben, an Rebbergen vorbeigefahren. Am Abend sind wir auf dem Camping Boucoocers angekommen und haben einmal mehr unser Zelt aufgeschlagen. Der Campingplatz liegt oberhalb von Lagrasse, und man hat eine spektakuläre Sicht auf das Dorf mit seiner Abtei. Nach einer geruhsamen Nacht, in der wir ehrlich gesagt froh waren, wieder in unserem eigenen Bett zu liegen, haben wir alles wieder eingepackt und uns bereit gemacht für die Weiterfahrt nach Spanien. Nach einem kurzen Pläuschchen mit einem deutschen Motorradfahrer haben wir uns in den Sattel geschwungen und kurvten weiter dem Meer entgegen. Wiederum haben wir tolle Kurven bekommen und sind durch kleine Dörfer gefahren. In einem Dorf sind wir sozusagen bei einer Rede des Gemeindepräsidenten auf dem Dorfplatz vorbeigedonnert und Mischu fragte sich anschliessend, ob es wohl noch einen Apéro gibt und wir nicht umkehren sollten. Bei einem kleinen Turm haben wir eine Pause gemacht, und von hier aus konnte man bereits wieder das Meer sehen. Paddle hat sich kurz mit einer Einheimischen unterhalten, die mit einem Sack voller Thymian daherkam, den sie im Gelände um sich herum gesammelt hatte. Die Luft war erfüllt vom Geruch der Kräuter.
Weiter ging es dem Meer zu. Wir haben in Argelès-sur-Mer einen Stopp gemacht und haben eingekauft für das Abendessen und den nächsten Tag. Ebenfalls haben wir Geburtstagskarten und ein Schnapsglas für Paddles Mutter, die bald Geburtstag hat, gekauft. Nun mussten wir nur noch eine Post finden, wo wir die Karten dann auch abschicken konnten. Von Argelès-sur-Mer ging es weiter nach Banyules-sur-Mer, wo wir wieder einen Stopp einlegten und direkt am Meer ein kleines Picknick veranstalteten. Zurück beim Motorrad, hatte Paddle wieder einmal Bekanntschaft mit irgendeiner Taube gemacht und erst mal ihre Tasche geputzt, damit es weiter gehen konnte. Über die Küstenstrasse D914 sind wir nach Cèrbère, das letzte Dorf in Frankreich, nach Spanien gefahren. Paddle war bereits vor zirka zehn Jahren mal hier und hatte Mischu vorgeschwärmt, wie toll die Strasse ist und man die ganze Zeit an der Küste entlangfahren kann. Dass die Strecke aber so viel befahren und so voller Touristen ist, wusste sie nicht mehr. Dies führte dazu, dass wir mehr schlecht als recht vorwärtsgekommen sind und sehr froh waren, als wir dann endlich in Spanien waren und die Touristen hinter uns lassen konnten.